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Hello, I Love You, won’t you tell me your name?

Wir suchten nach was zum Kiffen, aber wurden nicht fündig, also machten wir uns auf den Weg zum Volkshaus, wo das Doors-Konzert stattfinden sollte.

Wir überquerten einen Platz, auf dem gerade zwei Typen standen. Als wir näher kamen, gingen sie ebenfalls los, in dieselbe Richtung. Der eine von ihnen war schwarz angezogen, hatte eine Glatze und wirkte sehr unscheinbar. Aber der Typ neben ihm... In der Hand trug er einen Taperecorder, einen alten Taperecorder aus dem „son of a preacher man“ dudelte. Wir liefen direkt hinter den beiden und ich sang leise mit. Der Kerl hatte schulterlanges, gelocktes, braunes Haar und trug eine orange Leinenjacke, im Hippie/Alternativestil. Um den Hals trug er eine Kette aus Holzkugeln mit einem silbernen Anhänger. Er stellte sich mit seinem Kumpel in der Reihe etwas abseits hinter uns. Er gefiel mir gleich. Er hatte irgend etwas an sich, das mich an Johnny Depp erinnerte. Waren es die Augen? Dieser geheimnisvolle Blick?

Plötzlich kam er zu mir und fragte mich, wieso hier alle in der Schlange stünden, wann den Einlass sei. Ich meinte, um 19.00 Uhr und fragte ihn dann gleich, ob er denn wisse, wo man hier noch „was zum Rauchen“ finden könne, denn der Typ sah mir sehr bekifft aus. Er antwortete nicht und kurz darauf war und blieb er verschwunden.

Ich sah mich immer wieder nach allen Seiten um, aber nicht, um Karlheinz zu erblicken, der los ging, um die Tickets aus dem Auto zu holen, sondern um zu wissen, wo denn der Typ mit dem Taperecorder hingegangen war.

Nach einer ganzen Weile kamen die beiden Kerle zurück und er stand rechts von mir in der Menge. Ich lächelte ihm zu und er kam unerwartet zu mir herüber. „Ich habe ein Geschenk für dich.“, sagte er und drückte mir einen Joint in die Hand. „Oh, wow, bist du ein Schatz!“ rief ich überrascht. Er kehrte zu seinem Kumpel zurück. „Danke“, formten meine Lippen noch einmal und lächelten. Er nickte lächelnd zurück.

An der Garderobe gaben wir unsere Sachen ab, er seine bunte Leinentasche, die Hippie-Jacke, darunter trug er ein weißes T-Shirt mit irgendeinem Aufdruck.

In der Halle waren noch nicht viele Leute und wir platzierten uns in der Mitte vor der Bühne. Nach nicht allzu langer Zeit war auch Mr. Unbekannt wieder da und setzte sich mit seinem Freund direkt hinter uns auf den Boden. „Eine gute Idee!“, dachte ich mir und bewegte auch meine Jungs dazu, uns hinzusetzen, also saßen wir mit dem Typ, jetzt ohne Taperecorder, und seinem Kumpel im Kreis. Wir blickten uns wieder an. Er sagte irgend etwas Belangloses, bezüglich dem Herumsitzen, aber mehr Gesprächsstoff fanden wir nicht. Mein Kopf war leer, mein Herz mehr und mehr voll. Was war es nur, was mich in seinen Bann zog? Wir warteten zwei Stunden. Scheinbar hatte nicht nur ich bemerkt, dass er etwas sehr Besonderes, Johnny Depp-artiges an sich hat, denn es tauchten immer mehr Kolleginnen von ihm auf, die mir nicht unverdächtig schienen. Er stand direkt, schräg hinter mir, als wir die letzte halbe Stunde warteten, und bei jeder zufälligen Bewegung durchlief mich ein leichter, angenehmer Schauer. Er band die Haare zusammen, und ich hätte ihm am Liebsten gesagt: „Versteh das bitte nicht falsch, aber ich muss dir einfach sagen, dass du ein wahnsinnig schöner Mensch bist!“ Oh Gott, er war so verdammt schön!

Als ein Typ vor uns Papes brauchte und uns danach fragte, gab ich die Bitte an den Unbekannten weiter, der ja offensichtlich Kiffer war, und er war so hilfsbereit, zwei „Papierle“ zu spenden. Und als Karlheinz, Vali und ich nach einem Stück Papier suchten, um etwas zu notieren, durchsuchte er ungefragt seine Geldtasche, um uns zu helfen. Oh, so ein hilfsbereiter, gutherziger Mann *schmacht*! Nach fast zwei Stunden ging das Konzert los und die, inzwischen angewachsene, den Raum ausfüllende, Menschenmenge begann, sich zum Takt der Musik in Bewegung zu setzen und die aufgestaute Energie des Publikums setzte sich frei. Wir pogten, wir hüpften, wir schrieen, wir sangen mit, wir tanzten... Ich verlor Valentin und Karlheinz aus den Augen, landete aber merkwürdigerweise immer wieder neben dem Unbekannten mit den braunen Locken. Als die Menge, die sich wie Wasser bewegte: Ein Stoß, eine Welle, eine Gegenwelle, usw., uns beide etwas zurückgedrängt hatte, wo es ruhiger zuging, nahm ich den Joint aus meiner Jackentasche (ich trug meinen Emily Strange Sweater) und zündete ihn an. Ich nahm ein paar Züge (oh, das Zeug schmeckte und tat gut!) und reichte ihn an den Unbekannten weiter, der ihn ja schließlich gedreht hatte, bzw. seine Freunde. Anschließend stürzten wir uns wieder in die Menge und ich verlor ihn ihm Getose des Sturms. Ich kämpfte mich zu Valentin und Karlheinz zurück und war wieder mit der Musik allein.

Gerade, als ich die Hoffnung aufgegeben hatte, ihn während des Konzertes noch einmal zu sehen, stand er ganz plötzlich wieder direkt neben mir. Er zündete sich gerade seinen zweiten Joint an. Als er ihn einer Kollegin neben ihm weitergereicht hatte, und sie den Ofen an ihn zurückreichen wollte, tippte er mich an und meinte, zuerst bekomme ich ihn. „Was?“ Ich drehte mich zu ihm hin. „Oh, tut mir leid.“, meinte er. „Ich habe dich verwechselt!“ Und daraufhin verschwand er eilig in der Menge. Ich war verwirrt. Verwechselt? Mit wem? Hat er mich nicht erkannt? Ist er schüchtern? War da nie was zwischen uns? Man verwechselt doch nicht die Person, auf die man steht?!

Da war ich wieder, allein mit der Musik. Aber ich beschloß, mir wegen dem Kerl sicher nicht den Kopf zu zerbrechen, denn eigentlich, ursprünglich war ich schließlich wegen der Musik dort. Und weil „Riders on the Storm“, weil Ray Manzureck und Robbie Krieger so hammergeil spielten, packte mich der Sound zum Glück wieder, erfasste mich und ließ mich zwischen den Klängen versinken, sodass ich vor mich hintanzte und glücklich war.

Ich weiß nicht, wie das funktionierte, aber plötzlich war er wieder neben mir. Wir tanzten beide für uns, sahen den anderen manchmal aus den Augenwinkeln an, da warf uns die Menge plötzlich um, wie es oft vorkommt und wir taumelten für einen Augenblick und versuchten, wieder Halt zu finden. Ich griff nach seiner Hand, reflexartig, als er neben mir in die Menschenmenge hinter uns kippte. Ich war selbst überrascht, er wohl genauso, und ich ließ ihn wieder los. Er lächelte mich an. Oh Gott, ich hätte ihn am Liebsten gepackt, seinen Kopf zwischen meinen Händen, und ihn geküsst, einfach nur geküsst.

Aber die Menge trieb uns wieder leicht auseinander.

Valentin tauchte vor mir aus der Menge auf, und sein Gesichtsausdruck war leicht panisch. Ich packte seinen Arm und zog ihn zu mir her. Mein Beschützerinstinkt war geweckt. Ich hielt den Kleinen fest, der leicht schwankte und dem offensichtlich schwindlig war. Der Unbekannte muss es gesehen haben, und ließ sich von uns weg treiben. „Er ist doch nur mein kleiner Bruder!“, die Worte steckten mir im Hals.

Ich kümmerte mich um Valentin, die Doors spielten bereits die erste Zugabe, dann die zweite, die ich sehr genoss, weil ich zwischen einigen Frauen stand, die in meinem Stil tanzten (wir hatten uns nach hinten drängen lassen, um Luft zu bekommen) und weil der Unbekannte wieder etwas weiter vorne, aber in meinem Blickfeld, auftauchte.

Als das Konzert zu Ende war, stürzte Vali sich an den Rand, denn ihm war nicht mehr gut, er brauchte dringend was zu trinken. Ich sah, wie der Unbekannte in der Menge stehen geblieben war und sich nun, als alles auseinander stob, und das Licht angegangen war, suchend umblickte. Ob er nach mir Ausschau hielt, oder nach seinen Freunden, oder beides, vermag ich natürlich nicht zu sagen. Er entdeckte mich nicht.

Valentin ging nach einiger Zeit nach vor, um seinen Pullover zu holen, den er am Rand der Bühne abgelegt hatte, und ich lief – natürlich – wieder dem Unbekannten über den Weg. Wir blieben nebeneinander stehen. „Danke nochmals...“, sagte ich. „Oh, schon gut.“, meinte er. Wir standen schweigend nebeneinander. Mein Gehirn spukte einfach keinen klaren Gedanken aus, keinen Smalltalk, nicht die kleinste, billige, passende Phrase. Ich wollte ihn einfach nur festhalten, umarmen, meinen Kopf an seine Schulter legen.

„Die verteilen da was...“, meinte er und deutete auf das Bühnenpersonal, das Mineralwasserflaschen in die noch übrig gebliebene Menge schmiss. „Oh!“ Noch immer kein richtiger Satz. Ich versuchte, eine Flache zu ergattern, da verschwand er Richtung Ausgang.

Ich fand Valentin wieder und auch Karlheinz, der total verschwitzt war, was ihn aber nicht davon abhielt, mich stürmisch zu umarmen. Ich wich zurück umarmte ihn flüchtig. „Nicht du bist es, den ich begehere! Hach...“, seufzte mein Herz.

Karlheinz wollte unsere Jacken holen, Valentin und ich gingen zur Toilette. Ich überprüfte mein Spiegelbild, trank einen Schluck Wasser und ging hinaus. Vali war noch nicht fertig, aber vor den Toiletten, auf dem Flur, an die Wand gelehnt, wartend, stand mir gegenüber – natürlich – wieder der unbekannte Schönling. Langsam wurde es wirklich strange... Ich wagte nicht, ihn direkt anzublicken. Dieser sein Blick verwandelte mein Gehirn unweigerlich in ein völlig unbrauchbares Organ. Wie ist so etwas nur möglich? Ich wartete weiter auf Vali, noch immer nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Auf wen hat er eigentlich gewartet?, frage ich mich jetzt, denn plötzlich und wortlos, ging er zurück die Treppen hinauf, aber nicht ohne mich im Weggehen noch einmal anzulächeln. Ich erwiderte dieses Lächeln natürlich.

Valentin kam kurz darauf aus der Toilettentür und wir gingen nach oben, meine Tasche von der Garderobe zu holen. Im Foyer drängten sich die Konzertbesucher aneinander. Ein Kerl beschüttete mich versehentlich mit Bier, entschuldigte sich aber sehr freundlich. „Das macht nichts.“, meinte ich. „Das ist heute sicher schon fünf Mal passiert.“ Er bot mir einen Schluck an, und dann Valentin, als ich dankend ablehnte. Vali, immer noch durstig, trank gerne. Der Kerl schenkte uns den Becher voll Bier. Echt super-nett!

Wir hatten nicht das Gefühl, irgendwie weiter zu kommen, also gingen wir noch einmal in die Halle zurück, wo ich – natürlich – dem unbekannten schönen Mann wieder genau über den Weg lief. Vali und ich warteten einige Minuten ab, dann probierten wir es noch einmal bei der Garderobe. Der Unbekannte musste auch im Foyer sein. Ja, natürlich, wir liefen direkt an ihm vorbei! Es war sogar schon Valentin aufgefallen, dass das Schicksal, oder was oder wer auch immer, unsere beiden Lebenswege sich ständig überschneiden ließ.

Wir stellten bei der Garderobe an, und als wir gerade schon am Tresen lehnten, tauchte der schöne Mann ganz plötzlich wieder neben mir auf. Er lachte mich an. „Hallo schon wieder.“, sagte er. „Ja,“ lachte ich. „Du schon wieder!“ Wir unterhielten uns kurz über das Konzert und wie absolut genial es gewesen war. „Und sie sind ausgerechnet nach Zürich gekommen!“, freute er sich. „Ach, bist du aus Zürich?“ „Ich? Nein, nein.“, meinte er. Dann bekam er seine Sachen zurück. Er drängte sich an Valentin und mir vorbei. Unsere Blicke trafen sich noch einmal, ein letztes Mal, unsere Lippen lächelten, dann war er verschwunden. Auf Niemehrwiedersehen. Seine Welt hatte ihn wieder verschluckt und die meine zog und zerrte bereits an mir, unweigerlich, unaufhaltsam.

Ich hätte ihn wirklich um seine Nummer fragen sollen, denke ich mir jetzt und es tut mir weh, dass er mir entwischt ist. Nur die Nummer... ich hätte nichts verlieren können. Aber wenn er neben mir stand, wenn wir miteinander redeten, war mein Kopf nicht im Stande, was brauchbares auszuspucken.

Ich weiß noch nicht einmal, wie er heißt. Ich weiß aber, dass er 1984 geboren ist, das habe ich mitangehört, als er mit jemand anderem hinter mir redete. Er war so mysteriös, so hilfsbereit, so suess, und so unglaublich schön... Ich wünschte, ich hätte eine Abweisung riskiert. Vielleicht wüsste ich dann jetzt, wie ich dem Schicksal auf die Sprünge helfen und ihn wiedersehen könnte!

11.1.07 22:22
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


schattengedanken / Website (20.1.07 18:00)
oh wie traurig der kerl hört sich echt toll an =( ach und johnny depp ist sowieso endgeil. scheiße. über sowas ärgert man sich dann.

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