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Mittwoch, 21. Februar 2007

Eine Reise in die Vergangenheit Europas

Die Zugfahrt nach Rom war mehr anstrengend als erholend. Meine Freundin E. hatte zum Glück genau wie ich durchgemacht, also waren wir auf dem gleichen Level. Wir hatten gehofft, im Zug schlafen zu können, aber eingequetscht zwischen Tischchen, Fenster und einem dicken Italiener, den ich einfach nicht verstand, und der sich machohaft ausbreitete, war an Schlaf nicht zu denken.
Aber ich muss dann wohl doch eingenickt sein, denn E. weckte mich, als der Zug bereits am "Trevi", dem Hauptbahnhof Roms stand. "Es ist ja echt schwierig, dich zu wecken." Ja, wenn ich schlafe, dann wie ein Stein.

Da war ich also: In Rom!
Die zweite Wiege unserer Kultur sozusagen (nach Griechenland), die einstige Millionenstadt, einstige Hauptstadt der sogenannten "zivilisierten" Welt!
Allein die Vorstellung davon, was hier vor vielen vielen Jahren vor sich gegangen sein muss, ist umwerfend.
Hier war ich also, hineingeworfen in eine Großstadt, das merkte ich gleich, als ich auf dem größten Bahnhof, den ich je erblickt und durchschritten habe, allen möglichen Menschen ausweichen musste, die im Stadtschritt hin- und her eilten und umher wuselten.

Wir suchten nach einer günstigen Übernachtungsmöglichkeit und fanden ein hervorragendes, sympathisches wenn auch etwas zu praktisch eingerichtetes Hostel für 17 Euro die Nacht inklusive Frühstück und Abendessen.
Ich fiel nach einer warmen Dusche müde in mein Bett.

Am nächsten morgen frühstückten wir mit einem sympathischen Engländer, Ende 30, am Tisch, und führten den üblichen netten Traveler-Smalltalk: Woher kommt man, wie ist die heimatliche Landschaft, Kultur und Gesellschaft, Preisvergleiche, Zug oder Flugzeug, wie findet man die Stadt, was will man besichtigen, Reiseerlebnisse, usw.
Ich freute mich darüber, mich in meinem Englisch üben zu können.

Anschließend machten wir uns auf in die Stadt. Wir durchquerten einen kleinen Park, der auf eine Anhöhe führte. Oben angekommen tauchte vor mir das beeindruckende Kolosseum auf, das berühmte Amphitheater der Römer, in dem sich Gladiatoren unter den Augen von Kaisern und den Rufen und Schreien, dem Getose eines tausendköpfigen Publikums bekämpften, Schiffe gegeneinander in die Schlacht zogen und wilde Tiere aufeinander oder auf Sklaven und Gefangene, zum Tode verurteilte, losgingen.
Die Atmosphäre, die Stimmung, es muss berauschend gewesen sein.
Heute ist das Bauwerk nurmehr eine Ruine, die viel Phantasie von seinen Besuchern abverlangt, die sehr viel ergänzen müssen, um sich eine Vorstellung davon machen zu können, wie es ursprünglich wohl ausgesehen haben muss.
Es ist schade, dass Nero so einen Knall hatte und auch, dass es üblich war, für neue Bauwerke die Steine der alten abzutragen.

Nach dem Besuch im Kolosseum spazierten wir durch den geheimen Garten
des Forum Romanums. Als ich den Garten betrat, schlug mir sofort der angenehme Duft nach Orangen entgegen, mit einem hauchzarten zitronigen Ton, denn überraschenderweise blühten im ganzen Garten Orangen- und vereinzelt Zitronenbäume.
Eine Ruine steht in jenem Garten neben der anderen, zerbrochene Säulen stehen oder liegen auf dem Boden,
hier und da von Pflanzen umwuchert und bewachsen. Wir stießen auf kaputte, kopflose Statuen oder manchmal nurmehr auf die weissen Sockel, der letzte Rest der von ehemaligen Statuen übrig geblieben war, die wir nun, für einen Augenblick und einen Schnappschuss, ersetzen.
Steigt man in jenem Garten jede Treppe hinauf, bietet sich dem Suchenden plötzlich ein beeindruckender Ausblick über das alte, und in der Ferne, das neue Rom. Ich lehnte an der steinernen Mauer, das antike Rom zu meinen Füßen, die kühle Luft auf meinen Wangen, und empfand eine sonderbare Melancholie, gemischt mit der Aufregung, die die Neugierde und die Entdeckungen in mir hervorriefen.

Schließlich spazierten wir durch das Forum Romanum selbst, das ehemalige Zentrum der antiken Stadt, jener Ort, wo alles angefangen hatte.
Auf einer alten Strasse liefen wir an den Ruinen einstiger kolossaler Bauwerke vorbei, von denen nur noch Bruchstücke zurückgeblieben sind, ein Puzzle der Vergangenheit, das von Ärchäologen und Geschichtskundigen für den interessierten Zuschauer zusammengesetzt wurde, für den "modernen", informationssüchtigen Menschen, der alles bestaunt und vereinzelt meint, zu verstehen.

Wir besuchten den Piazza Navona, mit seinen drei Brunnen, aber zu meiner Enttäuschung war der großartige Fontana dei Quattro Fiumi von Bernini leider wegen Restaurierungsarbeiten verdeckt. Es wird immer irgend etwas restauriert in der ewigen Stadt, die zu ewigem Verfall verdammt ist.

So auch der Boden des Pantheon, auf dem einst ein Tempel, den Planetengöttern geweiht, stand. Immerhin errinert auch der Pantheon noch daran, mit seiner den Himmel abbildenden Kugelkuppel (einst vergoldet, doch von den Päpsten ausgeplünert.... welch Greueltat!), seiner Öffnung zu den Gestirnen und seinen der Zahl der Gestirngötter Sol, Luna, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn entsprechenden Altarnischen.

Weiter ging es zur Area Sacra, ein eingezäuntes Gebiet, auf dem vier, von Archäologen ausgebudelte, Tempel stehen, die einst den Soldaten Glück und Segen bringen sollten: Der erste geweiht Iuturna, der daneben stehende, ein runder Tempel mit korinthischen Säulen, geweiht der Glücksgöttin Fortuna, der mich besonders faszinierte, dann der dritte Tempel, der älteste unter ihnen, war der alten Gottheit Feronia geweiht, und schließlich der letzte, der größte Tempel, der "Katzentempel", wie ich ihn nenne, wahrscheinlich ursprünglich einem Wassergott geweiht. Wieso ich ihn Katzentempel nenne? Weil sich darin heute eine Herberge für heimatlose Katzen befindet, wie viele in Rom zu finden sind.
In diesem, wirklich winzigen, Tierheim für heimatlose Katzen ist es dem Besucher erlaubt, so lange zu verweilen, wie er es möchte und den Katzen etwas Nähe zu spenden. Also blieben wir dort für etwa eine Stunde und streichelten die bedauernswerten, teilweise ausgehungerten, teilweise verkrüppelten Fellknäuel.

Anschließend gingen wir Proviant für die nächsten Tage einkaufen und liefen zum Hostel zurück.

Abends ging E. mit der Mutter ihrer ehemaligen Au-Pair-Familie ins Kino. Ich blieb im Hostel, weil ich  nur wenig von dem Film verstanden hätte, und sowieso keine Lust hatte, auszugehen.

Tag II

Da E. sich den Vatikan mit diversen Freunden schon zu oft angesehen hatte, beschloss ich, mich allein auf den Weg in den katholischen Staat zu machen und sie ihrer Wege gehen zu lassen, was ihr sehr recht war, und mir auch, da ich nicht ungern eine Stadt alleine erkundige. Zwar fehlt mir ein Gesprächspartner dabei schon manchmal, aber der riesen Vorteil ist, dass man tun und lassen kann, was einem gerade beliebt und die Wege gehen kann, die man gehen will.
Ich nahm meinen kleinen Reiseführer und die Stadtkarte mit. Normalerweise bin ich hoffnungslos orientierungslos, aber anhand der Karte fand ich mich überraschend gut zurecht.
Ich spazierte von der Area Sacra, noch einmal am Pantheon vorbei, stieß zufällig auf die einstige erste Universität Roms, bestaunte hier und da interessante Gebäude, schlenderte im Sonnenlicht über den gut besuchten, von Portraitzeichnern und ähnlichem Künstlergesindel frequentierten Piazza Navona und schließlich an das Ufer des Tibers, wo ich vor der Ponte Umberto I stand und auf den Palazzo di Giustizia blickte, wohl ein staatliches Gebäude, recht imposant und kühl wirkend. Ein Gebäude das man sich nicht einfach zu betreten traut, weil es so aussieht, als wäre es nur „wichtigen“ Staatsdienern vorbehalten, was es für mich sehr unsympathisch macht.
Ich spazierte am Ufer des Tibers entlang bis zur Engelsbrücke, oder auf Italienisch Ponte Sant’ Angelo, auf der von Bernini erschaffene Engelsstatuen auf die Reisenden herunterblicken, die die Brücke zur Engelsburg, oder Castel Sant’ Angelo, einer mittelalterlichen Festung, überqueren.
Die Engelsburg finde ich nicht wahnsinnig umwerfend, aber das witzige an dem Gebäude ist, dass es vor langer langer Zeit als Gefängnis verwendet wurde, um die Christen, damals eine Sekte, einzusperren, und später von den Christen verwendet wurde, um die Heiden einzusperren *g*.
Schließlich, den Fake-Gucci-Prada-Versace-Verkäufern entflohen, die mich aber zum Glück Großteils sowieso in Ruhe lassen, weil sie hoffentlich sehen, dass mein Stil nicht zu den angebotenen Teilen passt, erreichte ich die breite Via della Conciliazione, die den Vatikan mit Rom verbindet und betrat bald darauf den riesigen Petersplatz, der natürlich touristenverseucht ist, was will man sich auch anderes erwarten?!
Den Petersdom, oder Basilica San’ Pietro, kann man natürlich nicht so einfach betreten. Der Weg dahin führt nur über einen abgesperrten Weg, eine Einschleusung der Touristen, die verschildert ist (z.B. keine T-Shirts, keine kurzen Röcke) und dem Ganzen eine Freizeitparkatmosphäre gibt. An der Ende dieser Einschleusung muss man durch eine Art „Flughafensicherheitscheck“ ehe man den Petersdom betreten darf, der natürlich wiederum von finster dreinblickender Security bewacht wird.
Der Dom selbst faszinierte mich nicht unbedingt wahnsinnig. Es gab einge nette Aspekte, zu denen natürlich ganz klar die Pietà von Michelangelo zählt, ein Meisterwerk der Bildhauerei: Die jung dargestellte Maria, die durch ihre Jugend und Schönheit die Ewigkeit symbolisiert, und Jesus, der in ihrem Schoss liegt, als wäre er federleicht. Dann gibt es noch zahlreiche Gräber im Dom, die von verschiedenen Künstlern geschaffen wurden, welche teilweise nicht uninteressant waren, beispielsweise das Grab einer gewissen Gräfin, die hoch im Ansehen eines ehemaligen Papstes stand, oder jenes Grab mit den zwei Löwen, dem brüllendem und dem schlafenden, auf dessen Rücken der Todesengel sitzt, die Hand auf die umgedrehte Fackel aufgestützt, als Symbol für das Auslöschen des Lebenslichtes, um in Kontrast dazu ein Grab, geschaffen von Bernini, der den Tod immer als Skelettwesen symbolisiert, in diesem Fall mit einer goldenen Sanduhr in der Hand. Dann gibt es natürlich noch zahlreiche Fresken, Mosaiken, Gemälde und Statuen die mir teilweise gefielen, aber alles in allem löste es leider keine Euphorie in mir aus. Vielleicht weil alles viel zu christlich ist.
Ich durchschritt das Schiff des Doms und betrachtete anschließend noch die Statue von Karl dem Großen, die hinter einem Eisentor steht, das Unbefugte nicht durchschreiten dürfen. Gegenüber, auf der anderen Seite steht eine weitere Reiterstatue am Kopf einer Steintreppe, die gerade ein paar der Schweizer Garde hinaufliefen, als ich an deren Fuß trat. Die Schweizer Garde trägt tatsächlich so bescheuerte Klamotten, wie man es im Fernsehen manchmal sieht *lach*. Aber das geilste Detail was die Jungs betrifft, finde ich, ist, dass sie während ihrer gesamten Amtszeit keine Verkehrsmittel benutzen dürfen. Ich hätte zu gerne nachgefragt, ob sie wenigstens Fahrradfahren dürfen, oder vielleicht Rollerblades? Wie sieht’s denn mit Skateboards aus, oder Trittroller? Aber leider sah ich eben nur jene, die gerade die Treppe hinauf eilten und hinter einer Tür verschwanden. Ich blieb am Fuß der Treppe stehen, denn diese zu betreten war wieder nicht erlaubt. „Stop!“, rief ein Security hinter mir. „Okay, okay.“, sagte ich. „Stop!“, meinte er wieder. „I’m already standing!“ „Stop!“ „Damn! I’m already standing here! I won’t go up there!“ Wollte er mich provozieren? Ich drehte mich zu dem Uniformierten um, der mich breit angrinste. Sehr witzig!
Ich schoss noch ein paar Fotos, dann setzte ich mich zu dem Obelisken, mitten auf dem Platz und lehnte mich an dessen Sockel. Er stammt ursprünglich aus Ägypten, was mich an die Katze denken ließ... wie es ihr wohl ergehe?... und stand in Rom im Circus des Caligula und Nero, in dem Petrus (auf dem umgekehrten Kreuz, ja DAHER kommt das, ihr dämlichen Satanisten) anscheinend hingerichtet wurde, dessen Leichnam ja im Petersdom unter dem Papstaltar begraben liegt.
Ich saß dort für fast eine Stunde und ließ mein Gesicht von der Sonne erwärmen, bzw. erbräunen, bzw. ließ ich meine Sommersprossen sprießen.
Dann ging ich zurück in die Stadt. Ich hätte mir zwar gerne noch die Sixtinische Kapelle angesehen, aber die verlangen da 11 Euro Eintritt, was ich eine Frechheit finde! Kunst sollte frei zugänglich sein! Man überlege sich nur mal, wie viel Kohle die Katholiken im Vatikan allein mit diesem Eintrittspreis machen, wenn man bedenkt, wie viele Touristen da täglich herumlaufen. Das ist Wahnsinn! Aber es ist meiner Meinung nach schon wahnsinnig, dass eine Religion einen eigenen Staat besitzt. Der Mensch ist schon ein amüsantes Tier, wenn man mal darüber nachdenkt *s*.

Ich spazierte also zurück, an einer weißen, gothischen Kirche vorbei, die mir außerordentlich gut, besser noch als der Petersdom gefiel, die völlig unbeachtet zwischen zwei normalen, sogar etwas heruntergekommenen Häusern steht, und die aber leider nicht betretbar war.

Ich ging am unspektakulären Mausoleo Augusto vorbei in die Via del Corso, in der einst Goethe gewohnt hat, und die heute, paradoxerweise, die Shopping-Meile für Tussi-Touristen ist. Hugo Boss neben Gucci, neben Versace und Armani und dem restlichen Zeug der wohlbekannten Modekreateure. Nicht, dass ich etwas gegen Modedesign an sich hätte, meine Antipathie richtet sich eher gegen die lächerlich konsumgesteuerten Leute, die sich nur dann als vollwertig fühlen, wenn sie gewisse Teile mit eben jenen Namen darauf besitzen. Und da mich diese Personen immer herrlich amüsieren, suchte ich mir einen Platz auf einer Bank, am Rande dieser Fußgängerzone/Strasse und betrachtete die shoppinggeile Gesellschaft, die großteils wieder so klischeehaft war, dass ich einerseits wieder überrascht war, mich aber andererseits gleichzeitig innerlich kaputt lachte. Was wohl Goethe dazu gesagt hätte?

Als es mir zu langweilig wurde, die kapitalistische Masse vorbeiströmen zu sehen, ging ich weiter zur Spanischen Treppe, am Piazza di Spagna, wo die spanische Botschaft steht.
An, bzw. auf der spanischen Treppe ist immer etwas los. An diesem sonnigen Tag saßen Hunderte von Menschen auf den Stufen, Geschäftsmänner, die Zeitung lasen, Touristenfamilien, die einen Snack zu sich nahmen, aber vor allem: Pärchen. Wohin das Auge blickte, überall tummelten sich die Verliebten und boten hier und da einen solch, geradezu kitschigen Anblick, dass irgend etwas in mir automatisch ein Gefühl der Abscheu hervorrief. Ich stieg die Stufen hinauf und blickte vom Kopf der Treppe in die Ferne, auf die Häuserreihen die am Horizont, vom weißen Licht der Sonne bestrahlt, sich im Nichts aufzulösen schienen.

Anschließend spazierte ich weiter, mein Ziel war der berühmte Fontana di Trevi, der in zahlreichen Filmklassikern, beispielsweise in „La Dolce Vita“ vorkommt.

to be continued...
21.2.07 17:58
 


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